Virtual Lifers: Simulationen in Schule, Krankenhaus und Gefängnis

Virtual Reality wird nicht nur zum Zwecke der Unterhaltung angeboten, sondern kann auch viele andere Bereiche des alltäglichen Lebens beeinflussen. So entwickeln sich auch VR-Inhalte abseits der klassischen Felder Gaming und Film rasch weiter und werden zunehmend im Dienste von Bildung, Arbeit und Sozialem individuell eingesetzt. Doch wo konkret?

 

Projekte in Schulen
Um Schülerinnen und Schüler aktiver am Unterricht zu beteiligen, werden bereits erste Versuche unternommen, Lehrinhalte naturwissenschaftlicher Fächer an Schulen mittels VR zu veranschaulichen. Durch die zusätzliche Visualisierung sollen die Kinder und Jugendlichen besser an die Thematik herangeführt werden und in der Lage sein, erste „praktische“ Erfahrungen zu sammeln.

Sei es das Mischen verschiedener Chemikalien oder die physikalische Berechnung einer Planetenlaufbahn – mit VR wird oft zusätzliches Interesse geweckt. Die Kombination mit Tablets und Computern steigert dabei die Bereitschaft zur Interaktion und Kommunikation. Viele der virtuell durchführbaren Experimente wären überdies im realen Schulumfeld zu gefährlich; VR schafft damit Raum für neue, spannende Projekte. Auch wenn die erstmalige Anschaffung recht teuer ist, lassen sich für Schulinstitutionen auf lange Sicht damit Kosten sparen.

Samsung Electronics und der Cornelsen Verlag haben es sich zum Ziel gesetzt, ein solches Projekt namens „VR-Eduthon“ zu realisieren und idealerweise auch fächerübergreifende Inhalte zu bieten. Der verstärkte Einsatz dieser Technologien soll Jugendliche stärker motivieren und durch die Veranschaulichung den Lernprozess erleichtern.(1)

Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler können in der virtuellen Welt Neues lernen – auch dem Lehrpersonal bieten sich zusätzliche Möglichkeiten. Um ihre pädagogischen Fähigkeiten zu verbessern und zu erweitern, können angehende Lehrerinnen und Lehrer ein für diesen Zweck entwickeltes vollimmersives, virtuelles Klassenzimmer mit systematisch erzeugten Störungen nutzen. Auch wenn die Simulation im Vergleich zur Realität natürlich große Unterschiede aufweist, lassen sich Klassenführungskompetenzen spielerisch trainieren und Strategien ausprobieren, ohne das drohende Scheitern vor einer realen Klasse fürchten zu müssen. Dies geschieht etwa im Rahmen des Projekts „Breaking Bad Behaviour“ der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.(2)(3)

 

Anwendungen in der Medizin
Auch im Bereich der Medizin bietet VR zahlreiche ungeahnte Möglichkeiten. Durch das Versetzen von Patientinnen und Patienten in eine virtuelle Welt, können Therapeutinnen und Therapeuten diese überall hin begleiten und so Ängsten, Phobien oder Traumata entgegenwirken. Eine Klientin mit Flugangst kann so etwa ein virtuelles Flugzeug betreten und nebenbei betreut werden, ohne der Situation alleine ausgeliefert zu sein.

Für die Chirurgie bieten sich überdies zahlreiche Übungs- und Simulationsmöglichkeiten, ohne echte Leben zu gefährden. Dies ist zudem die bestgeeignetste Methode, um Medizinstudierende und junge Ärztinnen und Ärzte langsam an Operationen heranzuführen. In Zukunft ist sogar denkbar, dass medizinisches Personal gar nicht mehr selbst an Patientinnen und Patienten Hand anlegt, sondern mittels Robotern agiert. Die Technik in diesem Bereich ist allerdings noch nicht weit genug ausgereift.(4)(5)

 

VR in US-Gefängnissen
In Colorado wurde kürzlich ein Virtual Reality-Projekt mit dem Ziel gelauncht, Insassen eines Gefängnisses zu resozialisieren und auf die Welt außerhalb der Zelle vorzubereiten. Erlernbar sind alltägliche Tätigkeiten, die die Häftlinge niemals zuvor gemacht hatten. Denn: Die Teilnehmer des Programms sind seit ihrer Jugend und über 20 Jahre hinweg inhaftiert, selbst der Umgang mit einem Smartphone ist ihnen also fremd. Sie selbst sagen, dass es wohl für sie die schwierigste Zeit werden wird, wenn sie außerhalb des Gefängnisses klarkommen müssen. Das VR-Programm soll hier den Einstieg erleichtern.(6)

 

 

All diese Projekte sind noch in der Entwicklung, doch haben sie das gemeinsame Ziel, Lernen und damit Alltagsrealitäten zu erleichtern. Es ist erstaunlich, wie weitreichend eine Technologie, wie die Erschaffung einer virtuellen Realität, Einfluss auf den zukünftigen Alltag jeder und jedes einzelnen haben kann.

 

Autor: Ferdinand Gaube | Bildquelle: Pixabay, https://pixabay.com/de/stethoskop-medizinische-gesundheit-2617700/
Textquellen: (1) http://i-dbnd.de/mit-virtueller-realitaet-in-der-schule-lernen-neues-kooperationsprojekt-mit-dem-ersten-vr-eduthon-gestartet/ | (2) http://www.schulpaedagogik.uni-wuerzburg.de/forschung/b3/ | (3) https://www.br.de/mediathek/video/vr-fuer-die-schule-lernen-in-virtueller-realitaet-av:5a15b142fb1a88001c734f7e?t=4s | (4) https://www.barmer.de/gesundheitscampus/virtuelle-realitaet-106024 | (5) https://codefluegel.com/de/virtuelle-medizin-vr-und-ar-im-klinischen-bereich/ | (6) https://news.vice.com/en_us/article/bjym3w/this-prison-is-using-vr-to-teach-inmates-how-to-live-on-the-outside

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