Diagonale Präsentation 2019 – What’s hot, what’s not


Wie bereits angekündigt durften wir am 22. März 2019 in Graz unsere Forschungsergebnisse präsentieren. Wir haben uns die letzten sechs Monate intensiv mit dem Thema Virtual Reality beschäftigt und freuen uns sehr, dass wir bei einer Veranstaltung, bei der auch einige VR-Filmschaffende vertreten waren, dabei sein durften. Die Präsentation und auch die Zeit im sonnigen Graz waren viel zu schnell vorbei; deshalb haben wir hier die wichtigsten Ausschnitte aus unserem Vortrag festgehalten.


Fact Sheet 2019

Generelles

Im Vergleich zum Vorjahr haben bereits mehr Personen eine VR-Brille ausprobiert, jedoch ist der Wert von 16 % noch kein Indiz für ein Medium, das von der breiten Masse verwendet wird. Bei der Forschung nach dem Grund warum diese Zahl noch so klein ist, kristallisierten sich zwei Gründe heraus: A) kein Interesse und B) zu teuer. Beide Hindernisse werden in Zukunft nicht mehr relevant sein. Sobald VR-Equipment für den Privatgebrauch billiger wird, wird auch das Interesse schnell steigen. Den Trend von billigeren Alternativen kann man bereits bei Samsung Gear VR, Google Cardboard und Oculus Go beobachten. Expert*innen sind zuversichtlich, dass die Umsätze der VR-Branche in den nächsten Jahren weiterhin ansteigen werden.

Virtual Reality Film

Die beliebtesten Genres sind: Drama, Komödie und Science Fiction. Letzteres ist natürlich ein sehr passendes Genre für dieses Medium. Auch die Länge von VR-Filmen unterscheidet sich stark von den „klassischen“ digitalen Filmen. Fast jeder zweite VR-Film beläuft sich auf 15 Minuten (45 %).
Als am weitesten verbreitete Sprache hat sich Englisch herausgestellt. Ein interessanter Fakt ist, dass es mehr VR-Filme ohne Dialog gibt, als französisch- und deutschsprachige Filme zusammen. Bei der Auswertung unserer Recherche ist auch aufgefallen, dass nur selten Untertitel verfügbar sind. Im Sinne der Barrierefreiheit sollte dies selbstverständlich verbessert werden.
Obwohl VR-Equipment zur Zeit noch einen sehr tiefen Griff in die Geldtasche bedeutet, sind sehr viele verfügbare VR-Filme gratis. Kostenpflichtige Filme können aber auch bis zu € 15.00 kosten.
Wichtig ist noch anzumerken, dass VR-Filme oftmals zwar auf Festivals gezeigt werden, danach aber nicht mehr für das öffentliche Publikum zugänglich sind. Über Mobile Stores werden noch die meisten Filme angeboten; auch über Steam und Oculus kann man einige Stunden VR-Film-Unterhaltung finden.


VROG-Awards 2019

Zum ersten Mal durften wir bei der diesjährigen Diagonale unsere neuen VROG-Awards verleihen. Unser Anliegen war es die besten VR-Filme und ihre technischen und künstlerischen Besonderheiten und Innovationen zu honorieren. Die Gewinnerfilme wurden vom Projektteam ausgewählt.

Bronze-VROG – The Great C

Titelbild von The Great C. Vor einem dunkel-türkisen Hintergrund sind die  animierten Hauptcharaktere (ein junger Mann und eine junge Frau) abgebildet.  Sie beide blicken über die Schulter hinter den Betrachter des Bildes.

Clares Welt wird auf den Kopf gestellt, als ihr Verlobter von The Great C als diesjähriger Tribut außerwählt wird. Sie steht nun vor der Entscheidung ob sie sich den Regeln beugt oder gegen sie ankämpft.

Die kanadische VR-Produktionsfirma Secret Location wurde bereits mit einem Emmy ausgezeichnet. Auch mit The Great C konnten sie weitere Erfolge feiern. Der Film wurde 2018 im Rahmen des Venice Virtual Reality Programmes gezeigt. 

Ein Argument für den Bronze-Award war für uns, dass The Great C eine der wenigen VR-Literaturverfilmung ist. Der Film hebt sich mit ausgezeichneter Animation von den anderen Nominierungen ab. Auch, dass die Geschichte stark Storydriven ist hat uns weiter überzeugt.

The Great C ist auf Oculus und Steam ab 18 Jahren verfügbar. 






Silver-VROG – Grenfell: Our Home


Am 14 Juni 2017 brach im Grenfell Tower ein Feuer aus. Obwohl die Brandursache „nur“ ein Kühlschrank war, brannte schlussendlich das 24-stöckige Wohnhaus komplett ab. Der Grund dafür war, dass bei der Renovierung der Fassade ein hochbrennbarer Stoff verwendet wurde. Aus Kostengründen haben die Hauseigentümer auf sicherere Materialien verzichtet.

Die Dokumentation wurde von Parable und 59 Productions für Channel 4 produziert.  

Festival-Erfolge konnte der Film am Sheffield Doc Fest (Premiere und Publikumspreis) und am Raindance Film Festival (Best Documentary VR Experience) feiern. 

Die Dokumentation hat uns mit mit ihrer Feinfühligkeit und Sensibilität überzeugt. Obwohl sich das tragische Unglück im Hintergrund befindet, stehen die Bewohner im Film stets im Vordergrund. Während sie aus ihren eigenen Leben und der Gemeinschaft in Grenfell erzählen, entstehen rund um sie ihre ehemaligen Wohnungen zu denen sie nie wieder zurückkehren können. Beachtlich ist, wie stark betont wird, dass die kulturelle Vielfalt in dem Hochhaus kein Hindernis, sondern ein Katalysator für das bunte Zusammenleben war.  

Der außergewöhnliche Animationsstil, der eher an Aquarell-Zeichnungen erinnert, ist ein weiterer Faktor, warum wir diese Dokumentation empfehlen!

Auf Youtube und der Channel 4 VR App ist der Film kostenlos verfügbar. 


Golden-VROG – Dinner Party

Amerika, 1961: Betty und Barney Hill, ein kaukasisch-afro-amerikanisches Ehepaar, das in der Bürgerrechtsbewegung aktiv ist, werden angeblich von einem UFO entführt. Jedoch unterscheiden sich die Erinnerungen der Beiden an dieses Ereignis sehr. Der Film begleitet das Ehepaar und ihre Freunde bei dem Versuch herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Dinner Party ist die Pilotfolge von The Incident; einer Serie, die die Zuseher auf eine immersive Reise zu übernatürlichen Ereignissen mitnimmt.

Das Thema beziehungsweise das Genre stellt die perfekte Grundlage für einen Virtual Reality Film dar. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die außergewöhnliche Zusammenführung von Live-Action- und Animationselementen haben uns überzeugt.   

Des Weiteren werden innovative Kameratechniken und –bewegungen verwendet Das war für uns ein weiterer Faktor, warum der Film den Golden-VROG verdient hat.

Dinner Party ist über den Google Playstore und iTunes zum Download verfügbar.


Die Auswahl der Gewinner-Filme war für uns nicht leicht, da es einige Filme gab, die es nicht nur durch die VR-Technik, sondern auch durch ihre Geschichte und Erzählungsweise geschafft haben, uns in ihren Bann zu ziehen. Von Jahr zu Jahr steigt die Qualität des veröffentlichten VR Content. Man hat das Gefühl, je vertrauter die Filmschaffenden mit der neuen Technik werden umso ausgereifter werden die künstlerischen Aspekte und Geschichten.

Insgesamt haben wir einen sehr schönen Tag auf der Diagonale verbringen können. Spannend war es zu sehen, dass der VR-Talk überwiegend von jungem Publikum besucht wurde. Außerdem gab es die Möglichkeit VR-Brillen und Content auszuprobieren und sich mit österreichischen VR-Experten auszutauschen. Alles in allem, war es ein sehr gelungener VR-Talk, der hoffentlich noch lange im Rahmen der Diagonale erhalten bleibt.

Autor: Emil Schönauer | Bildquellen: Angela Jank, Emil Schönauer, Parable, RYOT Films, Secret Location

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